Konflikte und Chancen des Pistentourengehens

Pistentouren, also Skitouren entlang von Skipisten zu gehen, ist eine vollkommen eigenständige Sportart geworden. Pistentouren haben nichts mit einer klassischen Skitour zu tun. Es gibt keine alpinen Gefahren, keinen Tiefschnee, anstatt einer kalten Gipfeljause gibt es ein Gasthaus und bei geringer Naturschneelage genügend Kunstschnee. Pistentourengeher nutzen, sowie Hallenkletterer, eine teure, gut gewartete und weitgehend sichere Infrastruktur. Es ist selbstverständlich, zum Klettern in der Kletterhalle Eintritt zu bezahlen. Pistentourengeher bezahlen nichts. Das bedeutet, als Pistentourengeher ist man nicht in der Position von Bergbahnbetreibern irgendein Entgegenkommen fordern zu können. Desweiteren bedeutet das, dass wir (auch ich bin Pistentourengeher) vollumfänglich akzeptieren müssen, was Bergbahnbetreiber den Pistentourengehern vorgeben.

Sperre oder Lenkung?
Egal ob Lenkung entlang definierter Aufstiegslinien oder eine komplette Sperre für Pistentourengeher. Die Bergbahnbetreiber haben ihre Gründe, Maßnahmen zu setzen. Und wir haben zumindest kein moralisches Anspruchsrecht dagegen zu sein. Es ist jedoch ein Umbruch spürbar. Kam es vor zwei, drei Jahren noch zu handfesten Diskussionen mit Bergbahnbetreibern, wenn das Thema Pistentour nur ansatzweise angesprochen wurde, entstehen mittlerweile zu diesem Thema zusehends konstruktive Gespräche. Offenheit, nicht nur bei Bergbahnbetreibern, sondern auch bei Tourismusverbänden, wird erkennbar.

Im Sommer 2016 haben wir, SNOWHOW, im Auftrag der Abteilung Sport/Land Tirol die aktuell genehmigte Beschilderung für Pistentourengeher mitentwickelt. In Zusammenarbeit mit Bergbahnbetreibern und Tourismusverbänden entwickeln wir Pistentourenkonzepte für Schigebiete. Dabei geht es selbstverständlich um die Entschärfung von Gefahrenstellen und Konflikten. Aber noch viel mehr geht es darum, ein Skigebiet auch durch Skitourenangebote attraktiv zu gestalten.

Neues Bezahlangebot?
Skitouren im Skigebiet, auf oder neben der Piste, locken Gäste an. Mehr und mehr Skigebiete erkennen, dass es zwei Produkte zu vermarkten gibt. Die Liftfahrt und die Piste. Nicht mehr nur ein Gesamtpaket, sondern zwei getrennte Angebote. Auch wenn das bedeutet, dass wir für die Ausübung des Pistentourensport bezahlen müssen.

Das Thema Pistentour hat eine große Zukunft. Die Zahlen an Pistentourengehern explodieren, die Industrie steigt mit entsprechenden Produkten ein. Die Skigebiete sind voll von Tourengehern. Der Pistentourensport lässt sich nicht mehr kleinreden oder abschaffen. Er ist da und wir brauchen Lösungen.

SNOWHOW vertritt, so wie bei all seinen Produkten, den Ansatz, dass Information und Aufklärung funktioniert. Unsere Pistentourenkonzepte setzen auf Lenkung der Besucherströme durch die drei Säulen Beschilderung – Kommunikation – Aufklärung. Wir verstehen Bergbahnbetreiber, welche als Lösung nur das Verbot bzw. die Sperrung formulieren. Das ist jedoch klassische Symptombekämpfung und funktioniert höchstens als Akutbehandlung. Verbote und Sperrungen verhärten langfristig die Fronten. Nachhaltige Konzepte gehen an die Wurzeln.

Zur bereits begonnenen Pistentourensaison möchten wir folgenden Aufruf an die pistentourengehenden Wintersportler richten:
Die Bergbahnbetreiber denken um. Pistentourengeher sind zusehends willkommen, und es gibt viele ernsthafte Bemühungen, nicht nur Einschränkungen auszusprechen, sondern auch einen Service für Pistentourengeher zu bieten. Vertrauen wir darauf und halten wir uns entlang dieses Entwicklungsweges an die Vorgaben der Bergbahnbetreiber. Wenn wir als Pistentourengeher uns gegen die Betreiber der hochtechnisierten Wintersportanlagen richten, dann richten wir uns gegen unser eigenes Sportinteresse.

Wem diese Korsett zu eng ist, hat abseits der Pisten unzählige Möglichkeiten, sich frei zu bewegen.

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Powder im Spätherbst

Nach zwei sehr schneearmen Wintern ist der Hunger nach Powder groß. Der momentane Spätherbst versorgt uns bereits mit stattlichen Mengen an Neuschnee. Auf den Gletschern kann man die ersten Tiefschneeabfahrten erleben, wie man sie in den letzten beiden Wintern nur mit viel Glück und viel Suche vorgefunden hatte.

Allerdings ist die Planung und Entscheidungsfindung für Freerider und Tourengeher abseits der Pisten momentan noch voller Tücken. Eine Grundregel der regelbasierten Lawinenkunde empfiehlt, je nach Lawinenwarnstufe auf gewisse Hangneigungen zu verzichten (Bsp. Lawinenwarnstufe 2 – nicht steiler als 40°). Aktuell gibt es jedoch noch keinen Lawinenlagebericht. Das mag die Planung und Entscheidungsfindung vielleicht schwierig bis unmöglich erscheinen lassen. Aber mit etwas lawinenkundlichem Wissen und Vernunft ist es kein Problem, trotzdem in den Genuss des frischen Pulverschnee zu kommen.

Ausgangssituation:
Im Blog des Lawinenwarndienstes Tirol wird hochalpin (Gletscherschigebiete) die Möglichkeit von Schneebrettauslösungen besprochen. Relativ viel Neuschnee in den letzten Tagen (bis zu 1 m)  und starker Wind sind die Grundlage zur Bildung von Schneebrettern. Teilweise, abhängig von Höhenlage und Exposition, hat sich bereits Oberflächenreif gebildet, der heute Nacht wieder eingeschneit wird. Diese Mischung ist brisant. Weiter unten, in niedrigeren Lagen, entlang und unterhalb der Waldgrenze, fiel der Neuschnee auf Almen und Wiesen und hat noch keine gute Bindung zum Untergrund. Das Abgleiten der Schneedecke ist in diesen Höhenlagen eine nicht zu unterschätzende, aktuelle Gefahr.

Freeride- und Tourenmöglichkeiten:
Statistisch ist die Auslösung von Lawinen unter einer Hangneigung von 30° unwahrscheinlich. Der Verzicht auf Abfahrten sowie Aufstiege unterhalb dieser Hangneigung ist auch ohne Lawinenlagebericht planbar und leicht umzusetzen. Nicht vergessen darf man dabei die Einzugsgebiete, also Geländekammern mit Hangneigungsbereichen über 30° und viel Schnee.

Achtung Gletscher!
Die Gletscherschigebiete sind momentan die logische Wahl, um den Neuschnee zu genießen. Aber auch wenn man sich unterhalb einer Hangneigung von 30° aufhält und die Lawinengefahr weitestgehend unwahrscheinlich ist, bleibt die Gefahr von Gletscherspalten. Die Abdeckung der Gletscherspalten ist noch sehr gering, allerdings schon genug, um Spalten nicht mehr zu erkennen. Fährt man über eine solche Schneebrücke, kann es zum Durchbrechen und in Folge zu einem Spaltensturz kommen. Ein Spaltensturz endet in den allermeisten Fällen tödlich.

Kartenmaterial und Infos:
Auf unserer Webseite www.snowhow.info sowie in unserer Freeride-App findet man digitales Kartenmaterial. Darin kann man die Ebene Hangneigung aktivieren. Ab 30° Hangneigung gilt für alle weiteren 5° eine eigene Farbe (30°|35°|40°|über 40°). d.h., alle Bereiche ohne Farbcodierung sind weniger steil als 30°.

Es klingt nun alles komplizierter als es ist, und trotzdem ist es schwieriger in die Praxis umzusetzen als man denkt. Gerne erklären unsere Bergführer diese Themen (und noch mehr) bei unseren kostenlosen Workshops Lawine. Wir haben nicht mehr viele Plätze frei, aber wer schnell ist kann noch mitmachen.

Hier geht’s zur Workshop-Anmeldung: https://snowhow.info/cms/portfolio/freeride/

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Wer – Was – Wann – Wie – Wo?

Wir sind der Verein zur Förderung von Bildung und Sport. Unser Team besteht aus über 20 staatlich geprüften Berg- und Skiführer, die alle eine mehrjährige international anerkannte Ausbildung absolviert haben und gerne ihr Wissen an dich weitergeben, damit du Sommer wie Winter viel Spaß am Berg bei wenig Risiko haben kannst.

Mit dem Begriff xHow fassen wir unsere derzeit 3 Projekte zusammen: Bei SnowHow geben wir in zahlreichen Schullawinenkursen und kostenlosen Workshops lawinenkundliches Wissen weiter und wertvolle Tipps zum richtigen Verhalten im Backcountry. Bei ClimbHow gehen wir an den Fels und zeigen Interessierten, worauf es dort in Punkto Gefahren und Risikomanagement ankommt. Wir nehmen aber auch Kletter-Neulinge mit und stecken sie gerne mit unserem Fieber für die Vertikale an. BikeHow wird sich ab dem Frühjahr 2018 allen abfahrtsorientierten Moutainbikern widmen und in Workshops Fahrtechnik- sowie Sicherheitstipps weitergeben.

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Hol‘ dir wertvolle Tipps!

Der Winter steht vor der Türe, und viele Powder hungrige scharren schon mit den breiten Latten vor der Türe. In den Gletscherskigebieten ist die Saison auch schon in vollem Gange. Damit ihr am Berg keine gefährlichen Fehler macht und immer gut ausgerüstet mit Informationen ins Abenteuer Backcountry startet, wollen euch unsere staatlich geprüften Berg- und Skiführer hier wertvolle Tipps und Hinweise zur Risikovermeidung geben. Außerdem findet ihr in diesem Blog alles, was am Berg nicht nur wichtig ist, sondern auch auch interessieren könnte und euren Spaßlevel hebt.

Gerne dürft ihr euch auch in die Diskussion einbringen. Aber bitte bleibt fair und lasst andere Meinungen auch gelten!

Euer SnowHow-ClimbHow-BikeHow Team

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