Schlagwort: hangneigung

SNOWHOW Freeride App

Die SNOWHOW-Freeride App bietet alle Informationen, die man als Freerider oder auch als Tourengeher zur Planung und Entscheidung abseits der gesicherten Pisten benötigt.

Prinzipiell konzentrieren sich diese Informationen auf die Faktoren Hangneigung und Lawinenwarnstufe. Grundlage zur Planung und Entscheidung ist die sogenannte elementare Reduktionsmethode nach Werner Munter. Mit diesem strategischen Instrument ist eine Risikoreduktion zur Auslösung einer Lawine von bis zu 75% möglich.

Die elementare Reduktionsmethode gibt vor, dass man bei der herrschenden Lawinenwarnstufe auf gewisse Hangneigungsbereiche verzichten soll. Bei Lawinenwarnstufe 4 (groß) und Lawinenwarnstufe 5 (sehr groß) soll generell auf jede Aktivität abseits der gesicherten Pisten und Wege verzichtet werden.

Bei Lawinenwarnstufe 1 (gering) gibt es keinen Hangneigungsverzicht. Die Lawinenwarnstufen 2 (mäßig) und 3 (erheblich) verlangen eine genaue Planung. Einerseits weil bei diesen beiden Lawinenwarnstufen die meisten Unfälle passieren. Andererseits deswegen, weil das Gefahrenspektrum bei Lawinenwarnstufe 3 sehr groß und sehr unterschiedlich sein kann. Einmal liegt das Gefahrenpotential näher bei Lawinenwarnstufe 2, ein anderes Mal näher bei Lawinenwarnstufe 4. Bei Lawinenwarnstufe 2 soll auf Geländebereiche über 40° Hangneigung und bei Lawinenwarnstufe 3 über 35° Hangneigung verzichtet werden. Das beinhaltet selbstverständlich auch das Einzugsgebiet rund um mich.

Seit der Entwicklung von digitalen Karten ist es möglich die entsprechende Hangneigung farblich darzustellen. Auf analogen Karten musste die Hangneigung noch anhand der Höhenlinienabstände kompliziert und fehlerbehaftet ermittelt werden. Digitale Karten zeigen eine entsprechende und einfach lesbare Farbcodierung.

Bei der Planung zu Hause können die Hangneigungsbereiche auf der Karte bereits ermittelt werden. Ist man dann im Gelände unterwegs, bringt man die Informationen des Lawinenlageberichtes und der Hangneigung über die Möglichkeit der Trackaufzeichnnung mittels GPS in Zusammenhang. Durch diese Möglichkeiten ist ein Hangneigungsverzicht nach Lawinenwarnstufe jederzeit und standortbezogen eindeutig festzulegen.

Für unsere Partnergebiete zeichnen wir zusätzlich sogenannte Verzichtszonen in das digitale Kartenmaterial. Damit geben wir Freeridern wichtige Informationen z.Bsp. über Absturzgefahren im Gelände oder Geländebereiche aus denen man nicht mehr rauskommt (No Exit-Icon).

Um im Gelände jederzeit und auch ohne Internetzugang auf das Kartenmaterial zugreifen zu können, sind die Karten im SNOWHOW Freeride App als Download und somit auch Offline verfügbar.

Die Lawinenlageberichte sind über einen eigenen Menüpunkt für alle Regionen Österreichs sowie Südtirol und Bayern verfügbar.

Achtung! Aktualisiert werden die Lawinenlageberichte selbstverständlich nur, wenn das Smartphone oder Tablet Internetzugang hat.

Nochmals Achtung!
Es gibt noch kein digitales Werkzeug, welches die Planung und Entscheidung übernimmt. Es gibt nur digitale Werkzeuge, die es uns vereinfachen zu planen und zu entscheiden. Die finale Entscheidung über das Begehen bzw. Befahren eines Hanges liegt bei jedem einzelnen Wintersportler und ist eine persönliche Entscheidung. Dazu gehört auch die vollständige Interpretation des gesamten Lawinenlageberichtes.

Wer dazu mehr lernen will, kann sich jederzeit bei einem unserer Workshops Lawine anmelden oder einfach einen SNOWHOW-Bergführer buchen. www.snowhow.info/freeride

Wir freuen uns auf euch und sehen uns hoffentlich im Gelände.

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Powder im Spätherbst

Nach zwei sehr schneearmen Wintern ist der Hunger nach Powder groß. Der momentane Spätherbst versorgt uns bereits mit stattlichen Mengen an Neuschnee. Auf den Gletschern kann man die ersten Tiefschneeabfahrten erleben, wie man sie in den letzten beiden Wintern nur mit viel Glück und viel Suche vorgefunden hatte.

Allerdings ist die Planung und Entscheidungsfindung für Freerider und Tourengeher abseits der Pisten momentan noch voller Tücken. Eine Grundregel der regelbasierten Lawinenkunde empfiehlt, je nach Lawinenwarnstufe auf gewisse Hangneigungen zu verzichten (Bsp. Lawinenwarnstufe 2 – nicht steiler als 40°). Aktuell gibt es jedoch noch keinen Lawinenlagebericht. Das mag die Planung und Entscheidungsfindung vielleicht schwierig bis unmöglich erscheinen lassen. Aber mit etwas lawinenkundlichem Wissen und Vernunft ist es kein Problem, trotzdem in den Genuss des frischen Pulverschnee zu kommen.

Ausgangssituation:
Im Blog des Lawinenwarndienstes Tirol wird hochalpin (Gletscherschigebiete) die Möglichkeit von Schneebrettauslösungen besprochen. Relativ viel Neuschnee in den letzten Tagen (bis zu 1 m)  und starker Wind sind die Grundlage zur Bildung von Schneebrettern. Teilweise, abhängig von Höhenlage und Exposition, hat sich bereits Oberflächenreif gebildet, der heute Nacht wieder eingeschneit wird. Diese Mischung ist brisant. Weiter unten, in niedrigeren Lagen, entlang und unterhalb der Waldgrenze, fiel der Neuschnee auf Almen und Wiesen und hat noch keine gute Bindung zum Untergrund. Das Abgleiten der Schneedecke ist in diesen Höhenlagen eine nicht zu unterschätzende, aktuelle Gefahr.

Freeride- und Tourenmöglichkeiten:
Statistisch ist die Auslösung von Lawinen unter einer Hangneigung von 30° unwahrscheinlich. Der Verzicht auf Abfahrten sowie Aufstiege unterhalb dieser Hangneigung ist auch ohne Lawinenlagebericht planbar und leicht umzusetzen. Nicht vergessen darf man dabei die Einzugsgebiete, also Geländekammern mit Hangneigungsbereichen über 30° und viel Schnee.

Achtung Gletscher!
Die Gletscherschigebiete sind momentan die logische Wahl, um den Neuschnee zu genießen. Aber auch wenn man sich unterhalb einer Hangneigung von 30° aufhält und die Lawinengefahr weitestgehend unwahrscheinlich ist, bleibt die Gefahr von Gletscherspalten. Die Abdeckung der Gletscherspalten ist noch sehr gering, allerdings schon genug, um Spalten nicht mehr zu erkennen. Fährt man über eine solche Schneebrücke, kann es zum Durchbrechen und in Folge zu einem Spaltensturz kommen. Ein Spaltensturz endet in den allermeisten Fällen tödlich.

Kartenmaterial und Infos:
Auf unserer Webseite www.snowhow.info sowie in unserer Freeride-App findet man digitales Kartenmaterial. Darin kann man die Ebene Hangneigung aktivieren. Ab 30° Hangneigung gilt für alle weiteren 5° eine eigene Farbe (30°|35°|40°|über 40°). d.h., alle Bereiche ohne Farbcodierung sind weniger steil als 30°.

Es klingt nun alles komplizierter als es ist, und trotzdem ist es schwieriger in die Praxis umzusetzen als man denkt. Gerne erklären unsere Bergführer diese Themen (und noch mehr) bei unseren kostenlosen Workshops Lawine. Wir haben nicht mehr viele Plätze frei, aber wer schnell ist kann noch mitmachen.

Hier geht’s zur Workshop-Anmeldung: https://snowhow.info/cms/portfolio/freeride/

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