„Testen, lernen und üben", hieß es ersten Samstag im September beim dritten CLIMBHOW Klettersteig-Testival in Innsbruck. Klettersteig-Einsteiger und -Profis hatten einen Tag lang die Möglichkeit ihr Wissen rund um die Actionsportart auf den aktuellen Stand zu bringen und die neuesten Klettersteig-Produkte auf Herz und Nieren zu prüfen.

Die Tage werden länger, die Temperaturen steigen und die letzten Schneefelder weichen dem satten Grün der aufblühenden Fauna. Vorfreude kommt auf: die Klettersteig-Saison beginnt – für viele die schönste Zeit des Jahres. Höchste Zeit also, das eingerostete Wissen aufzufrischen und das ausgewinterte Material einem eingehenden Sicherheits-Check zu unterziehen. Mit diesen fünf Tipps startest du gut vorbereitet in deinen ersten Klettersteig des Jahres:

1. Geh es langsam an

Im Gegensatz zum Wanderweg kann man im Klettersteig nicht einfach jederzeit umdrehen. Wer sich in die Felswand begibt, sollte somit eine solide Grundkondition ausreichend Muskelkraft mitbringen. Geh es deshalb nach der Winterpause erstmal langsam an und starte mit einem kurzen und/oder leichten Klettersteig. Plane sorgfältig und informiere dich genau über Schwierigkeit und Länge, Zustieg und Abstieg, Wetter und Verhältnisse. Die Saison ist schließlich noch lang!

2. Vollständige, intakte und normgerechte Ausrüstung verwenden

Die Ausrüstung beim Klettersteiggehen ist überschaubar: Klettergurt, Klettersteigset, Helm, Klettersteighandschuhe, Bergschuhe sowie Handy und Erste-Hilfe-Set für den Notfall – mehr braucht es für die Eisenwege nicht. Prüfe zu Beginn der Saison dein Material sorgfältig auf Anzeichen von Beschädigung oder Verschleiß. Hat dein Helm Risse oder Dellen? Werden die Nähte deines Klettergurts in der Anseilschlaufe oder den Beinschlaufen langsam dünner oder fransen aus? Ist dein Klettersteigset komplett intakt und weiterhin normgerecht? Oder ist es eventuell von einer Rückrufaktion betroffen? Wer sich hier zuhause etwas Zeit nimmt, ist später sicher auf Tour.

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3. Korrekt sichern und kraftsparend steigen

Doch nur die richtige Anwendung der Ausrüstung ermöglicht eine sichere Begehung von Klettersteigen. Rufe dir die grundlegende Sicherungs- und Steigtechniken zuhause nochmal ins Gedächtnis:

  • Welche Punkte umfasst der Partnercheck?
  • Wie funktioniert das Einhängen des Klettersteigsets in den Gurt?
  • Was gibt es beim Umhängen zu beachten?
  • Wie steige ich sicher & kraftsparend?

Fühlst du dich bei einer dieser Fragen unsicher? Dann besuche besser nochmal einen Kurs und wiederhole die wichtigsten Basics unter Aufsicht eines fachkundigen Bergführers. Das Video des Österreichischen Alpenvereins informiert dich außerdem über die wichtigsten Basics.

4. Stürze im Klettersteig sind tabu

Doch selbst wenn das (normgerechte) Klettersteigset korrekt in das Drahtseil eingehängt wird, sind Stürze im Klettersteig unter allen Umständen zu vermeiden. Zu leicht kann man sich an den Drahtseilen, Leitern und Stahlbügeln verletzen. Deshalb immer im Hinterkopf behalten: Der sogenannte Bandfalldämpfer verhindert lediglich einen Komplettabsturz zum Wandfuß und reduziert die Sturzenergie. Doch die Verletzungsgefahr durch Sturz auf oder über Stahlelemente kann auch eine moderne Ausrüstung nicht verhindern.

Mit Kindern im Klettersteig gibt es bei der Ausrüstung einiges zu beachten.

4. Mit Kindern im Klettersteig

Normale Klettersteigsets sind nicht für Kinder geeignet. Normtests zur Auslösung des Bandfalldämpfers und somit zur Übernahme der Sturzenergie reichen nur bis 40 kg. Das bedeutet: Personen mit einem Körpergewicht von weniger als 40 kg bringen ein Klettersteigset nicht zur Auslösung. Die Sturzenergie wird in diesem Fall zur Gänze vom Körper des Kindes aufgefangen und führt zu einem hohen Verletzungsrisiko. In den letzten Jahren haben sich Vertreter verschiedener Ausbildungsinstitutionen im Bergsport darüber Gedanken gemacht. Als Fazit entstand die aktuelle Lehrmeinung, das Kinder am Klettersteig auf jeden Fall zusätzlich durch einen Erwachsenen gesichert werden müssen.

5. Drahtseil und Verankerungen kritisch prüfen

Steinschlag, Schneedruck, Frostsprengung oder Korrosion können über den Winter Schäden an der Steiganlage verursacht haben. Darum prüfe gerade im Frühjahr alle Verankerungen und auch das Drahtseil besonders sorgfältig auf Ihre Festigkeit. Keinesfalls sollte man übrigens in gesperrte Klettersteige einsteigen. Denn für Sperrungen gibt es immer einen Grund – egal ob Schneefeld, Beschädigungen der Steiganlage oder Wanderwegs zurück ins Tal. Wer jetzt defensiv unterwegs ist, hat länger was von der Saison.

Tipp: Besuche einen kostenlosen Klettersteig-Workshop

Du möchtest mehr erfahren und die wichtigsten Basics nochmal unter Aufsicht eines erfahrenen Bergführers üben? Dann schau doch mal bei unseren kostenlosen Klettersteig-Workshops oder dem Klettersteig-Testival in Innsbruck vorbei. Gleich anmelden und Platz sichern!